brightonseo recap september 2018

Recap: brightonSEO September 2018

Unter dem Motto „A long way from a room above a pub“ startete letzten Freitag die BrightonSEO im Brighton Centre direkt an der Wasserfront. Zum zweiten Mal in diesem Jahr sind 4.000 SEOs und Content Marketer nach Brighton gereist, um spannende Vorträge zu hören und sich untereinander auszutauschen.

Site Speed

Mit seinem Talk „Accelerate: Page Speed Optimization Tips“ eröffnete Fili Wiese von den SearchBrothers die Site Speed Session an diesem Morgen. Und ganz dem Thema entsprechend gab er in einer atemberaubenden Geschwindigkeit einen großartigen Überblick über Site-Speed-Maßnahmen für Webseiten.

Für den ein oder anderen möglicherweise besonders interessant: Im Vergleich zu den anderen ist ReactJS das von Hause aus langsamste JavaScript Framework auf dem Markt. Außerdem soll Chrome wohl bald damit beginnen, eigenständig Lazy Loading für Webseiten zu verwenden.

Chris Simmance räumt in seinem Talk „2 Seconds is the New Slow: How businesses can build a better web“ mit ein paar Site-Speed-Mythen auf.

Er rät dringend von einer Verwendung von Site Speed und Image Optimization Plugins, sowie generell von Third Party Tools beispielsweise für Tracking ab. Außerdem sollte man Shared Hosting wenn möglich vermeiden und lieber auf einen der großen Hosting-Anbieter zurückgreifen. Natürlich ist das aber auch nicht für jeden immer leicht umsetzbar. Hier noch ein paar weitere Aussagen seiner Session:

  • Fast 80 % aller Server weltweit verwenden PHP. Dabei verwendet allerdings nur ein kleiner Bruchteil der Server das aktuelle PHP 7.2. Die meisten laufen immer noch auf dem deutlich langsameren PHP 5.6.
  • Time to First Byte (TTFB) ist seiner Meinung nach besonders für den Googlebot wichtig, weshalb generell versucht werden sollte, Codezeilen zu reduzieren. Allgemein sind häufig viele Codezeilen überflüssig, da sie gar keine (notwendige) Aktion/Funktion innerhalb der Seite erfüllen, aber dennoch geladen werden müssen.
  • Externe Skripte sollten soweit möglich über den Google Tag Manager geladen werden.

Das Slidedeck von Chris gibt es hier.

Migrations

Entgegen des reißerischen Titels seiner Präsentation „Six Site Migration Fails & How To Avoid Them“ konzentrierte sich James Brown (Oban International) weniger auf die Fails als vielmehr auf die Vermeidung ebendieser.

Neben den üblichen Verdächtigen, wie beispielsweise die Domain Health und die Server Logs im Vorhinein zu prüfen, mögliche Saisonalitäten der entsprechenden Branche zu beachten oder auch die „versteckten“ URLs (Canonical Tag, hreflang etc.) anzupassen, setze James einen besonderen Fokus auf das richtige Monitoring während der Migration. Es sollten stets sämtliche Kanäle über Google Analytics überwacht werden und nicht nur der organische Traffic. Zur besonderen Vorsicht riet er bei der Implementierung von GTM-Tracking, wo kleinere Fehler im Tracking Code schon große Probleme auf der Website verursachen können.

Und nicht vergessen: Für den allerschlimmsten Fall ein Backup der gesamten Domain machen.

 

Esteve Castells von Softonic berichtete in seinem Vortrag „Learnings from migrating 100.000 subdomains to subfolders“ von einem großen Migrationsprojekt, das er durchgeführt hat.

Es ging um die Migration einer Vielzahl von Subdomains in Verzeichnisse auf einer neuen Root Domain. Kurz darauf mussten sie einen massiven CTR-Verlust von bis zu 50 % beobachten. Sie schlossen daraus, dass die CTR einen sehr starken Einfluss auf das Ranking der Subdomains hatte und die Änderung von den Nutzern nicht angenommen wurde. Mit einem Rollback konnten sie relativ zeitnah 95 % der verlorenen Rankings und des Traffics zurückgewinnen.

Esteve erzählte aber auch von einem anderen Case, wo eine vergleichbare Migration problemlos geklappt hat.

Dan Patmore von Argos erzählte in seinem Vortrag „Navigating the pitfalls of website migrations“ von einem riesigen Migrationsprojekt mit einer Laufzeit von 2,5 Jahre. Innerhalb eines so großen Zeitraums kommt es vor, dass nicht nur einzelne beteiligte Mitarbeiter sondern sogar ganze Teams wechseln.

Ein großer Teil der Migration bestand darin, extrem lange Parameter-URLs auf neue sprechende URLs weiterzuleiten und die massive Reduzierung von automatisch generierten URLs. Dan betonte, neben all den technischen Vorbereitungen und Umsetzungen ist vor allem die Kommunikation das Schlüsselelement einer erfolgreichen Migration. Das heißt nicht nur die Kommunikation im SEO-Team oder mit den Entwicklern, sondern mit allen am Projekt beteiligten Stakeholdern.

Nicht wegzudenken auf der BrightonSEO: Content Marketing

Qualitativ hochwertige Backlinks sind im Content Marketing wichtiger denn je.

Dass Content Marketing vielmehr nur der kleine Bruder der Suchmaschinenoptimierung ist, dürfte mittlerweile jedem klar sein. Nicht umsonst betont Google immer wieder, wie wichtig guter Content ist, um in den SERPs ganz weit vorne zu ranken. Entsprechend häufig fiel der Begriff auch dieses Jahr auf der brightonSEO. Gleich der erste Beitragsblock in der größten Konferenzhalle mit 3.000 Sitzplätzen widmete sich komplett dem Content Marketing und der Content-Strategie.

Data Journalism – Wie man Backlinks von großen Targetseiten generiert

Ross Tavendale verriet, wie man mit Data Journalism die richtig dicken Fische an Land zieht.

Ross Tavendale, Managing Director bei Type A Media, eröffnete den Content-Marketing-Block mit seinen Erfahrungswerten zu Data Journalism. Um Backlinks von großen Medien und der Presse zu erhalten, gehen sie nach dem RAP (Research, Angels, Pitch)-Prinzip vor. Ganz genau müsse schon vor Kampagnenstart recherchiert werden, für welche Audience Journalisten schreiben, an welche Zielgruppen sie sich richten und wofür diese Gruppen sich interessieren. Schon vor dem Start einer Kampagne müsse man die möglichen Schlagzeilen ausarbeiten, die man bspw. mit einer Studie erzielen wolle. Genauso wichtig sei es, im Research-Part zu betrachten, welche Daten bereits vorhanden seien. In einem RAP-Dokument werden alle Daten zusammengetragen. Typischerweise ergäben sich daraus drei Angels, drei Schlagzeilen und neun Pitchversuche gegenüber Journalisten.

Um die Audience anzusprechen, nannte Ross drei Prinzipien seines ideation frameworks:

Zuletzt ging Ross auf mögliche Datenquellen ein:Dementsprechend dreht Ross das Prinzip um, nicht die Audience findet den Content, sondern der Content die Audience.

  1. Private Daten aus Analysen und CRM: Diese sollten bestenfalls mit anderen Quellen vermischt werden.
  2. Öffentliche Daten von der Regierung: Da diese häufig unattraktiv aufbereitet sind, besteht hier großes Potenzial, diese einfacher nutzbar zur Verfügung zu stellen und neue Erkenntnisse daraus zu formulieren.
  3. Daten aus selbst erhobenen Umfragen und Kommentaren

Als vertrauenswürdige Datengrundlage aus öffentlichen Quellen nannte Ross die Google Dataset Search, in denen bspw. Forschungsergebnissen von Universitäten abrufbar sind. Schlechte Erfahrungen hingegen machte er mit selbsterhobenen Daten via Google Survey. Auf einen E-Mail Pitch an eine große Zeitung mit selbsterhobenen Daten erhielt er von einem Journalisten lediglich ein „LOL“ zurückgemailt.

Ross Slidedeck findet sich für alle Interessierten hier.

Live-Videos: Das neue Must-Have im Content Marketing?

Gebannt lauschte das Publikum Bobbi Brant, als diese über die Vorteile von Live-Videos referierte.

78 Prozent der Online Audiences sehen sich bereits Facebook Live-Content an und 81 Prozent sahen 2016 mehr Live-Videos als 2015. Daher hielt Bobbi BrantHead of Creative bei Kaizen, ein Plädoyer für ebendiese und teilte ihre eigenen Erfahrungen mit dem Publikum. Sie verglich hierfür die Reaktionen auf Live-Videos mit den sonst üblichen Social Media Postings von Kaizen und stellte fest, dass die Live-Übertragungen zu mehr Impressions, höherer CTR und mehr Engagement führten.

Brant betonte dabei, dass Live-Videos vor allem unterstützender Content seien, bspw. für

  • Die Übertragung eines Produktlaunchs
  • Die Promotion einer Linkbuildingkampagne (bspw. ein Live-Video, in dem User das veröffentlichte Tool testen und Live-Fragen hierzu stellen können), um so Buzz zu kreieren.
  • Einen Wettbewerb
  • Die Kommunikation mit der Audience

Brant nannte abschließend vier Tipps für gelungene Live-Videos:

  1. Don’t just stream – promote it: Ohne die richtige Promotion des Videos mit vorangehender Ankündigung in den Sozialen Netzen, per Newsletter oder sonstige Kanäle wird es sich keiner ansehen.
  2. Don’t be scripted – be prepared: Zu auswendig gelernte Texte und Inflexibilität nehmen dem Live-Video seine Authentizität.
  3. Don’t set times – set sections: Erst während des Live-Videos wird man merken, welche Themen gut funktionieren und welche nicht. Ein Themenbereich, zu dem viele Nutzerfragen aufkommen, sollte deswegen nicht aufgrund gesetzter Zeiten abgebrochen werden.
  4. Don’t go it alone – have help: Hol dir jemanden, der die Kamera hält oder Userfragen herauspickt; dieser jemand ist eine große Unterstützung beim Dreh eines Live-Videos.

Bonus Tip: Have a follow-up plan

Brant Slideck ist hier verfügbar.

Links, Links, Links!

Laura Hogan, Stacey MacNaught und Elli Bishop standen in Sachen Linkbuilding Rede und Antwort.

Was nützt der beste Content, wenn ihn keiner verlinkt? Richtig, gar nichts. Im Linkbuildingblock drehte sich daher alles um die erfolgreiche Generierung von Backlinks. Laura Hogan, Director of Search bei Ricemedia Search, ging auf fünf Möglichkeiten ein, wie man kostenlose Links von seiner Konkurrenz abstaubt:

Broken Link Building

In den 404-Fehlermeldungen seiner Konkurrenz versteckt sich viel Linkpotenzial. Ganz einfach selber den fehlenden Content erstellen, die Targetseite kontaktieren und darauf hinweisen, dass der Link zu einer 404-Meldung führt. Und ganz zufällig hat man selbst dann einen aktuelleren und viel besseren Content parat. Empfohlenes Tool: Screaming Frog.

Reverse Image Search

Old but gold. Einfach eine linkträchtige Grafik eines Wettbewerbers downloaden und per drag and drop in die Google Bildersuche ziehen. So bekommt man die SERPs von Seiten, die die Grafik verwendet haben. Diese können nun ganz einfach kontaktiert und gefragt werden, ob sie nicht auch den eigenen Content aufnehmen möchten.

Build on Research

Es liegen bereits viele gute Ideen, Daten und Forschungsergebnisse vor. Fast genauso viele sind jedoch nicht mehr aktuell. Daher ist es ein guter Ansatz, den veralteten Content einfach zu updaten und den Backlinkquellen des alten Contentpieces die aktualisierte Version zukommen zu lassen. Empfohlenes Tool: Majestic.

Hashtags

Mithilfe von Hashtags können Bloggerlisten der Konkurrenz ermittelt und abgegrast werden. Über Majestic lassen sich die neuen Links der Konkurrenz ermitteln. Gerade bei großen Seiten mit mehreren Tausend Links kann es hilfreich sein, einen Blick in die Beiträge zu werfen und dort verwendete Hashtags zu ermitteln. Googelt man diese anschließend, lassen sich so ganz einfach alle an diesem Projekt teilnehmenden Blogger ermitteln, die somit auch potenzielle eigene Backlinkquellen sind.

Backlink Analysis

Abschließend legte Hogan dar, dass eine Backlinkanalyse die Basis für erfolgreiches Linkbuilding sei. Mittels verschiedener Tools lässt sich herausfinden, von welchen Seiten die Konkurrenz Links hat, man selbst jedoch nicht. Diese sind vielversprechende pozentielle Backlinkquellen. Empfohlenes Tool: SEMrush gap analysis.

Laura Hogans Präsentation zum Nachlesen findet sich hier.

Hier noch einmal unsere Top Insights für Content Marketing im Überblick:

  • Datengetriebene Content Marketing Kampagnen sorgen für Presserelevanz.
  • Live-Videos bergen Potenzial zur Promotion von Content-Marketing-Kampagnen.
  • Free Links: Ein Blick zur Konkurrenz eröffnet vielseitige Möglichkeiten, potenzielle Backlinks zu ermitteln.

Keynote

Die Keynote wurde diesmal von Rand Fishkin (SparkToro) gehalten. Mit „The Future of SEO is on the SERP“ (Video) lieferte Rand eine leidenschaftlich kontroverse Sicht auf die Suchmaschinenwerbung in naher Zukunft. Er begann mit der Erklärung „We had a deal“ und beschreibt, wie SEOs seit Jahren für Google arbeiten, ohne von Google bezahlt zu werden. SEOs und Content Creators haben es Google überhaupt erst möglich gemacht, Webseiten und ihre Inhalte so einfach wie möglich zu verarbeiten und zu indexieren.

In der Vergangenheit hatte Google noch etwas Konkurrenz, doch seit sie über mittlerweile 90 % Marktanteil verfügen, machen sie mehr oder weniger, was sie wollen. Google verschiebt nun immer mehr Informationen in die Suche, was verhindert, dass Nutzer die Webseiten besuchen und diese somit keinen Traffic erhalten, obwohl sie diejenigen sind, die die Informationen überhaupt erst bereitstellen. Diese Problematik wird sich in Zukunft tendenziell eher noch verstärken.

Gerade bei der mobilen Suche fällt dies extrem auf: Häufig muss ein Nutzer bis zu 4 „Seiten“ an Suchergebnissen herunterscrollen, bevor er überhaupt ein organisches Ergebnis zu Gesicht bekommt.

  • Bis zu vier bezahlte Werbeanzeigen am Anfang der SERPs
  • Featured Snippets & Insant Answers
  • Videosuche: Google zeigt fast nur noch YouTube Videos.
  • Flugreisen: Zeigt so gut wie immer Google Flights an. Sogar dann noch, wenn man den Namen der entsprechende Fluggesellschaft mit eingibt.
  • Sportergebnisse
  • Hotelbuchungen
  • Berühmte Personen

Schon jetzt resultieren 61 % der mobilen Suchanfragen in keinem Klick auf ein (organisches) Ergebnis, weil die vom Nutzer gesuchte Information schon in den SERPs dargestellt wird. Es gibt keinen Grund mehr, die Suche zu verlassen.

„This wasn’t part of the deal!” proklamiert Rand und führt fort: Früher hatte Google zwei Arten von Nutzern: Content Creator und Suchende. Jetzt sind es nur noch die Suchenden.

SEOs können nicht beeinflussen, was Google in Zukunft in den SERPs ausspielt, wohl aber woher diese Daten und Informationen kommen.

  • Wenn Keywords aggregierte Antworten anzeigen, muss man als SEO die untenstehenden Publisher beeinflussen, um in die Liste aufgenommen zu werden.
  • Wenn man Featured Snippets verwendet, sollte man eine Art Cliffhanger für die Informationen einfügen, z.B. eine unvollständige Liste, die der Suchende nur vollständig lesen kann, wenn er auf das Ergebnis klickt.
  • Wenn andere Seiten ranken, man selber aber nicht, muss man hartnäckiger werden.

Rand beendet die Keynote mit den Worten: „SEO wird es noch für mindestens 10 Jahre geben.“

Wie tröstlich, oder nicht?!

Unser Fazit:

Die BrightonSEO hat auch dieses Jahr wieder SEO-Experten aus aller Welt zusammengeführt und zum Austausch angeregt. Auch wir haben viele spannende Eindrücke gewonnen und Erkenntnisse mitnehmen können.

Nach der Keynote wurde die Konferenz zunächst in der DeepCrawl West und East Bar des Brighton Centres und später auf der OnCrawl Pier Party in der Palm Curt Bar auf der Hälfte des Brighton Piers ausgeklungen.

Vielen Dank an das brightonSEO-Team für eine sehr gelungene Konferenz. Wir sind uns sicher, die Zeit bis April 2019 wird wie im Flug vergehen!

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